Odoo plant Fertigungsaufträge mit einer Gesamtmenge. Wenn 165 kg Pulver hergestellt werden sollen, der Mischer aber nur 50 kg sinnvoll aufnehmen kann, muss diese Menge in mehrere Mischerfüllungen mit den richtigen Rohstoffmengen aufgeteilt werden. Das bildet Odoo im Standard nicht ab.
Trotz ERP entstehen so oft Excel-Listen, handschriftliche Notizen oder im schlimmsten Fall Ad-hoc-Rechnungen in der Produktion. Bei Whey-Protein, Kapselmischungen, Gewürzmischungen oder Produkten mit kleinen Wirkstoffmengen wird das schnell kritisch, besonders wenn Spurenelemente oder Süssungsmittel falsch eingewogen werden.
Das Problem: Ein Fertigungsauftrag, mehrere Mischerfüllungen
Odoo kann Stücklisten, Fertigungsaufträge, Arbeitsgänge und Rohstoffbewegungen sehr gut abbilden. Für viele Produktionsbetriebe reicht das im Standard völlig aus.
In der Lebensmittelindustrie reicht es beim Mischen aber oft nicht. Eine Stückliste beschreibt die Rezeptur. Der Fertigungsauftrag beschreibt die geplante Produktionsmenge. Der Arbeitsplatz beschreibt, wo gearbeitet wird.
Was im Standard bei Odoo fehlt, ist die einfache Frage aus der Produktion: Wie oft muss der Mischer gefüllt werden?
Ein Beispiel:
geplante Produktionsmenge: 165 kg
maximale Mischerfüllung: 50 kg
Ergebnis: 4 Mischerfüllungen
Drei Füllungen haben 50 kg. Die letzte Füllung hat 15 kg. Und für jede einzelne Füllung müssen die Rohstoffe wieder im richtigen Verhältnis berechnet werden.
Der Odoo-Standard ist für die Lebensmittelindustrie begrenzt
Odoo ist sehr gut, wenn es um die Grundlogik geht:
Stücklisten als Rezeptur
Fertigungsaufträge für Produktionschargen
Arbeitsgänge und Arbeitsplätze
Rohstoffverbräuche
Chargenführung und Rückverfolgbarkeit
Qualitätskontrollen und Dokumente
Odoo bietet auch die Möglichkeit, auf der Stückliste eine Batchgrösse festzulegen. Wenn die Produktionsmenge die Batchgrösse überschreitet, wird automatisch ein zweiter Fertigungsauftrag angelegt. Das Problem: Jeder Fertigungsauftrag bringt administrativen Aufwand mit sich und erhöht die Fehlerquote. Eine Produktionscharge von 800 kg in 12 einzelne Fertigungsaufträge aufzuteilen, ist in der Praxis einfach nicht realistisch.
So werden Mischerfüllungen in EP-Food abgebildet
Ich habe bewusst keine komplizierte neue Maschinenverwaltung gebaut. Ein Mischer ist in Odoo weiterhin ein normaler Arbeitsplatz.
Der Arbeitsplatz bekommt nur eine zusätzliche Eigenschaft: Er kann als Mischer markiert werden. Damit weiss Odoo, dass dieser Arbeitsplatz für die automatische Aufteilung in Mischerfüllungen verwendet werden darf.
Die eigentliche Füllmenge wird aber nicht direkt am Arbeitsplatz gespeichert. Sie wird auf der Stückliste hinterlegt.
Das ist wichtig, weil die maximale Füllmenge von der Schüttdichte des Produktes abhängig ist. Derselbe Mischer kann für Produkt A 70 kg schaffen, für Produkt B aber vielleicht nur 50 kg. Deshalb gehört diese Information zur Rezeptur.
Auf der Stückliste wird pro Mischer festgelegt:
Mischer: der Odoo-Arbeitsplatz, der als Mischer markiert ist
maximale Füllmenge: zum Beispiel 50
Einheit: zum Beispiel kg oder g

So werden die Mischerfüllungen berechnet
Wenn der Fertigungsauftrag bestätigt wird, prüft Odoo, ob es einen Arbeitsauftrag (Workorder) mit einem Mischer gibt.
Falls ja, sucht Odoo auf der Stückliste die passende Mischer-Konfiguration. Danach wird die geplante Gesamtmenge automatisch in einzelne Mischerfüllungen aufgeteilt.
Die Berechnung ist bewusst einfach gehalten:
Odoo nimmt alle gewichtsbasierten Rohstoffe aus dem Fertigungsauftrag.
Die Mengen werden in die Einheit der Mischerfüllung umgerechnet.
Aus Gesamtmenge und maximaler Füllmenge wird die Anzahl Füllungen berechnet.
Für jede Füllung wird eine Zielmenge erstellt.
Die Rohstoffe werden proportional auf die einzelnen Füllungen verteilt.
Bei 165 kg Gesamtmenge und 50 kg maximaler Füllmenge entstehen also automatisch vier Mischerfüllungen. Drei mit 50 kg und eine letzte mit 15 kg.
Der Mitarbeiter in der Produktion sieht dadurch direkt im Fertigungsauftrag, was zu tun ist. Er muss nicht mehr separat rechnen und nicht mehr in einer Excel-Datei nachschauen.
Automatische Mischprotokolle als PDF
Viele Betriebe arbeiten in der Produktion weiterhin mit Papierprotokollen, um die Produktionsmitarbeiter durch den Prozess zu führen und die HACCP-Konformität zu gewährleisten. Das ist nicht automatisch schlecht. Gerade dort, wo noch keine Tablets oder Shopfloor-Terminals im Einsatz sind, ist ein gutes Papierprotokoll oft der einfachste Weg.
Deshalb erzeugt das Modul automatisch ein Mischprotokoll als PDF. Dieses Protokoll kann vor der Produktion gedruckt, in der Produktion ausgefüllt und danach wieder am Fertigungsauftrag abgelegt werden.
Auf dem Protokoll stehen unter anderem:
Fertigungsauftrag
Produkt und Produktform
Stückliste / Rezeptur
Produktionscharge und MHD
geplante Produktionsmenge
Mischer und Arbeitsgang
Rohstoffe mit Rolle, Charge, Sollmenge, Istmenge und Einheit
alle automatisch berechneten Mischerfüllungen
Mischeinstellungen und Produktspezifikationen
Vorabkontrollen wie Rezepturprüfung, Rohstoffchargen, Waage, Reinigung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Rückgaben, Abweichungen, Kommentare und Unterschriften
Damit ist das PDF nicht einfach ein Ausdruck. Es ist ein QS-Dokument. Es hilft bei der Qualitätssicherung, bei internen Kontrollen, bei Audits und bei der späteren Chargenrückverfolgung.
Falls du Fragen hast oder bei dir auch eine Odoo-Lösung für Lebensmittelproduktion, Mischprozesse oder Rückverfolgbarkeit einführen willst, kontaktiere mich gerne.
Nate