Ich war zehn Jahre auf Kundenseite in Industrie und E-Commerce. Seit 2025 bin ich Odoo-Partner und arbeite als Berater und Entwickler. Ich kenne deshalb beide Perspektiven. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du einen passenden Odoo Partner Schweiz auswählst. Kurz, neutral, mit klaren Prüfkriterien.
Wähle einen Odoo Partner, der zu deiner Projektgrösse passt
Odoo deckt viele Anwendungsfälle und Budgets ab. Von der Einzelfirma mit CHF 5’000 Budget bis zum KMU mit 100 Mitarbeitenden und über CHF 1 Mio Budget ist alles möglich. Genau darum sollte die Grösse der Odoo-Agentur zu deinem Projekt passen.
Grundregel: Je kleiner das Projektvolumen, desto kleiner sollte die Odoo Agentur sein. Für ein Einzelunternehmen mit einer Person sind grosse Anbieter wie Braintec oder Camptocamp oft nicht ideal, weil Kleinprojekte dort weniger Priorität haben. Besser ist eine kleiner Odoo Partner in der Schweiz, der nah dran ist, schnell entscheidet und deine Themen wirklich aufnimmt.
Suche nach belegbarer Branchenpraxis
Odoo ist sehr flexibel. Du kannst es in einer Anwaltskanzlei, im E-Commerce oder in der Lebensmittelproduktion einsetzen, auch nur für Teilbereiche. Genau diese Stärke macht die Partnerwahl schwieriger. Ein Partner, der bisher nur Industriebetriebe betreut hat, kann eine Kanzlei meist nicht effizient beraten. Odoo implementieren heisst zuerst den Kunden und seine Prozesse verstehen. Das ist der grösste Aufwand.
Achte bei der Wahl deines Odoo Partners deshalb speziell auf:
- Branchenerfahrung: Hat die Odoo Agentur Erfahrung in deiner Branche oder in einer sehr ähnlichen?
- Umfang der Projekte: Waren es Gesamt-Implementationen oder nur Teilbereiche, die wenig mit deinem Business zu tun haben?
- Referenzen: Gibt es konkrete Referenzkontakte, mit denen du unverbindlich und unter vier Augen sprechen kannst? Wenn ein Partner keine Kontakte nennen will, ist das oft ein Warnsignal.
Achte auf einen Minimal-Approach bei den Odoo Userlizenzen
Das Ziel von jedem Odoo-Partner sollte sein, das Beste für seine Kundinnen und Kunden zu erreichen: die beste, günstigste und effizienteste ERP-Lösung. Jede Odoo-Userlizenz kostet rund CHF 400 pro Jahr. Ein Odoo-Partner erhält darauf eine Provision von bis zu 50 %. Deshalb versuchen einige Partner, viele User-Lizenzen zu verkaufen, die du gar nicht wirklich brauchst.
Achte dich darauf, ob der Partner konsequent mit einem Minimal-Ansatz arbeitet und Lösungen sucht, die die Anzahl User reduzieren. Wenn du das Gefühl hast, dein Partner möchte dir zu viele User verkaufen, ist das kein gutes Zeichen. Dann stehst du als Kunde nicht an erster Stelle. Oft lassen sich durch kreative Lösungen User einsparen. Beispiel: Ich habe in einem Team ein effizientes E-Commerce-Fulfillment-System aufgebaut, das komplett in Odoo integriert war, und über 20 Mitarbeitende konnten mit lediglich einer Odoo-Userlizenz arbeiten.
Offene und transparente Kommunikation ist wichtig
Punkt 1: Es ist genauso wichtig zu sagen, was man nicht kann, wie was man kann. Ein Odoo-Partner, der zu allem Ja sagt und behauptet, alles sei möglich, ist nicht zu empfehlen. Odoo ist eine sehr grosse, komplexe Software mit sehr vielen Anwendungsgebieten. In jedem Odoo-Projekt gibt es garantiert Dinge, die ein Odoo-Partner nicht weiss oder noch nie gemacht hat. Fordere deinen Odoo-Partner heraus. Stelle kritische Fragen. Achte darauf, ob er Ausreden sucht oder klar sagt, wenn er etwas nicht weiss. Was man nicht weiss, kann man lernen. Das gehört zu jedem Odoo-Projekt.
Punkt 2: Fehler passieren. Wichtig ist, dass man dazu steht. Ein Odoo-Partner wird während eines Projekts sicher Fehler machen. Das ist normal. Achte darauf, wie dein Odoo-Partner mit Fehlern umgeht. Kommuniziert er proaktiv und klar und korrigiert die Fehler auf eigene Kosten? Oder sucht er Ausreden und schiebt die Verantwortung auf dich als Kunden?
Prüfe ob dein Odoo Partner Verantwortung übernimmt
Wenn du ein gutes Odoo-Projekt umsetzen willst, brauchst du beim Odoo-Partner eine Ansprechperson, die die volle Verantwortung für das Projekt übernimmt. Das erkennst du an Folgendem:
- ein Odoo-Partner kommuniziert einen klaren Zeitplan und hält sich daran. Wenn Termine nicht eingehalten werden, informiert er proaktiv und schlägt Lösungen vor.
- Er schiebt die Schuld nicht auf andere.
- Er trägt Mehrkosten, wenn sie durch seine Fehler entstehen.
- Er verwendet Zeit nicht als Argument. Zu wenig Zeit gibt es nicht. Es gibt nur schlechte Planung oder falsche Priorisierung.
Spreche deinen Odoo Partner auf KI Nutzung an
KI wie ChatGPT hat die Softwareentwicklung verändert. Wenn dein Odoo-Projekt Custom-Development umfasst, ist KI ein Thema. Sie bringt Vorteile, aber auch Risiken.
Was KI positiv bringt
- Code entsteht schneller. Gute Odoo-Entwickler schaffen mit KI in einem Tag deutlich mehr.
- Nicht technische Personen können kleine Automatisierungen bauen, zum Beispiel Server-Aktionen oder geplante Aktionen.
Wo Risiken liegen
- Ohne fundierte Odoo-Erfahrung und ohne schrittweises Vorgehen führt KI oft zu aufgeblähten Modulen, viel Code und wenig Wartbarkeit.
- Odoo-Versionen unterscheiden sich stark. Was in Odoo 18 funktioniert, kann in Odoo 19 anders heissen oder anders wirken. KI verwechselt APIs, Widgets oder View-Details. Das erzeugt Nacharbeit.
- Wenn jemand Odoo nicht gut kennt und mit KI Module baut, wird es oft langwierig und frustrierend. Am Ende kostet es mehr Zeit, als sauber von Hand zu entwickeln.
Was du deinen Partner fragen solltest
- Wie setzt ihr KI im Entwicklungsprozess ein? Für Ideensuche, Boilerplate, Tests, Review? Oder um ganze Module zu "Vibecoden"?
- Haben die Entwickler mehrere Jahre Odoo-Erfahrung auch ohne KI?
- Arbeitet ihr mit einem klaren Step-by-Step-Ansatz, kleinen Modulen, Code-Reviews und Tests?
- Versteht ihr zuerst die Prozesse und baut dann schlanken Code, statt nur Python zu schreiben?
KI ist ein starker Hebel, ersetzt aber keine Odoo-Erfahrung. Entscheidend sind Prozessverständnis, saubere Architektur und ein klarer, schrittweiser Ansatz.
Zusammenfassende Checkliste für deine Odoo Partner Suche
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Projektgrösse
☐ Passt die Grösse der Odoo Agentur zu deiner Projektgrösse?
☐ Gibt es eine klare Ansprechperson die volle Verantwortung übernimmt? -
Branchenpraxis
☐ Mindestens 2 Referenzen aus deiner Branche oder sehr ähnlich?
☐ Kannst du mit den Referenzen kurz telefonieren? -
Lizenzen / Minimal-Ansatz
☐ Startet der Partner mit so wenig User wie nötig?
☐ Zeigt er, wie sich User durch clevere Prozesse einsparen lassen? -
Offene Kommunikation
☐ Sagt der Partner auch, was er nicht kann oder noch klären muss?
☐ Meldet er Verzögerungen proaktiv und macht klare Vorschläge? -
Verantwortung
☐ Gibt es einen sauberen Zeitplan, der eingehalten wird?
☐ Trägt der Partner Mehrkosten bei eigenen Fehlern, statt Schuld zu schieben? -
KI sinnvoll nutzen
☐ Nutzen die Entwickler KI für Ideen, Boilerplate und Tests, nicht als Autopilot?
☐ Verfügen die Entwickler über mehrere Jahre Odoo-Erfahrung auch ohne KI und arbeiten sie Schritt für Schritt?
Ein persönliches Beispiel: So sollte man es nicht machen
Im Jahr 2020 habe ich in einem ERP-Projekt mit CHF 300’000 Projektvolumen gearbeitet. Wir haben die Agentur nach nur einem Kriterium gewählt: Hat sie Erfahrung in unserer Branche? Die Website sah gut aus. Branchenlösung genau für uns. Ein ERP, das im Standard alles abdeckt.
Vor dem Projektstart sind wir mit dem Verkäufer durch die Firma gegangen und haben Office, Produktion, Lager und Fulfillment angeschaut. Wir haben alle Prozessschritte erklärt und die Schwierigkeiten sowie Spezialitäten unseres Geschäfts aufgezeigt.
Nach dem Gespräch hat uns der Verkäufer zugesichert, dass sie alles so umsetzen können, wie wir es brauchen. Alle Prozesse würden optimiert, alle Pain Points gelöst. Ein Sorglos-Paket.
Wir haben unterschrieben und die Zahlung gemacht. Danach folgten über drei Monate mehrere, tagelange Workshops mit der Agentur. Da wurde klar: Die Lösung hält nicht, was sie verspricht. Sie ist langsam und kompliziert. Für die speziellen Teile unseres Geschäfts brauchten wir doch Sonderanpassungen. Dinge, die im bestehenden ERP funktionierten, gingen im neuen ERP nicht.
Kurz: Der Verkäufer hat viel versprochen, um das Projekt zu verkaufen, es danach aber nicht gehalten. Wir haben nach drei Monaten abgebrochen und uns entschieden, bei Odoo zu bleiben und Odoo selber zu machen. Es hat sich zu 100 % gelohnt. Fünf Jahre später kann ich das klar sagen.
Diese Erfahrung war einer der Gründe, warum ich mich im April 2025 als Odoo-Entwickler und Berater selbständig gemacht habe. Mein Ziel: den ERP-Markt transparenter, günstiger und besser machen.
Du kannst mich gerne unverbindlich kontaktieren. Ich gebe dir Tipps zur ERP- und Partnerauswahl. Wenn ich nicht der passende Partner bin, sage ich das klar und gebe dir eine Empfehlung für einen anderen Partner. Mir ist wichtig, dass du mit Odoo happy bist!
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Nathanael Lee