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Odoo Online kann viel mehr als du denkst

In Odoo Online (SaaS) hast du keinen Zugriff auf den Server-Code. Wie du dennoch umfangreiche Anpassungen vornehmen kannst, ohne in eine Odoo-Studio Chaos zu geraten erfährst du hier.
29. November 2025 durch
Odoo Online kann viel mehr als du denkst
Nathanael Lee
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Ich arbeite seit 9 Jahren mit Odoo, von Version 8 bis 19. Wenn von einem Odoo-Benutzer ein Anpassungswunsch kommt, ist diese Anpassung in 95 % der Fälle durch eine Konfiguration im Odoo User Interface zu lösen. Nur für wirklich komplexe Fälle ist ein Custom-Modul notwendig und dann nicht mehr mit Odoo Online realisierbar. Doch um zu verstehen, wie wir die Möglichkeiten von Odoo ohne Odoo Studio maximal ausnutzen, müssen wir zuerst grob verstehen, wie Odoo aufgebaut ist.

Odoo besteht, sehr vereinfacht gesagt, aus drei Komponenten: dem Server Code (Odoo Source Code + Custom Code), der Datenbank (PostgreSQL) und dem Web Interface. Wenn du Odoo installierst, baut es die Datenbank mit den Informationen auf, die im Source Code vorhanden sind. Zum Beispiel ist das Feld partner_id auf dem Verkaufsauftrag im Source Code in Python definiert. Beim Aufbau der Datenbank legt Odoo in der Tabelle sale.order eine Spalte partner_id an.

Odoo ist so offen und transparent aufgebaut, dass alle Odoo Models (Business Models und Meta Models) über das User Interface erreichbar und modifizierbar sind. Das heisst, wir können direkt vom User Interface, ohne den Source Code zu verändern, neue Models hinzufügen und neue Einträge in den Models anlegen.

Odoo Studio macht genau das. Odoo Studio ist nichts weiter als ein Editor, der es uns einfacher macht, Einträge in den Meta Models der Odoo-Datenbank anzulegen. Nachfolgend ein Diagramm der Struktur für dein besseres Verständnis:

Odoo Architecture ASCII Diagram

Beispiel

Wir legen mit Odoo Studio eine neue App mit einem neuen Model an.

Odoo Studio Screenshot

Was tut Odoo Studio im Hintergrund?

Es legt lediglich Einträge in Meta Models an. Keine Magie, nur Bearbeiten der Odoo-Datenbank, so wie du einen neuen Verkaufsauftrag anlegst. Drei Beispiele:

  1. Es legt einen neuen Eintrag in ir.model an, der das neue Model definiert.


  2. Odoo Models Screenshot


  3. Es legt einen neuen Eintrag in ir.ui.menu an, der das Menu-Item (App-Icon) definiert.


  4. Odoo Menu Item Screenshot


  5. Es legt einen Eintrag in ir.actions.act_window an, in dem definiert ist, welche Ansicht geöffnet wird, wenn du das App-Icon anklickst.


  6. Odoo Window Action Screenshot

Das führt nun dazu, dass du eine neue App auf deinem Homescreen hast, sie anklicken kannst und neue Einträge anlegen kannst.

Odoo App Overview

Wenn du in Odoo als Administrator angemeldet bist und den Debug-Modus eingeschaltet hast, hast du vollen Zugriff auf alle diese Meta Models. Du kannst neue erstellen, bestehende bearbeiten und neu verknüpfen. Dafür brauchst du kein Odoo Studio. Ohne Odoo Studio hast du sogar mehr Kontrolle und mehr Möglichkeiten, denn die Studio Oberfläche gibt dir einige Einschränkungen, die du beim direkten Bearbeiten nicht hast.

Wichtige Odoo Meta Models

Links: technischer Model-Name. Rechts: was du durch Änderungen erreichst.

🧩 ir.model

Definiert, welche Business Models es gibt, zum Beispiel Angebote, Rechnungen oder eigene Tabellen deiner App. Wenn du hier neue Einträge anlegst, erzeugst du neue Tabellen in der Datenbank.

📑 ir.model.fields

Bestimmt, welche Felder auf einem Model existieren (Char, Float, Many2one usw.). Über dieses Model fügst du neuen oder bestehenden Models zusätzliche Felder hinzu und steuerst so, welche Daten gespeichert werden können.

🎛️ ir.ui.view

Steuert das Layout im Backend: Form-, List-, Kanban- und Suchansichten. Du definierst hier, welche Felder sichtbar sind, wie sie gruppiert werden und wie Benutzer mit einem Model arbeiten.

📂 ir.ui.menu

Definiert die Navigationsstruktur und App-Icons. Durch neue Menüeinträge entscheidest du, wo Benutzer deine eigenen Masken und Listen im Odoo Menü finden.

🪟 ir.actions.act_window

Verknüpft Menüs mit Models und Views. Hier legst du fest, welche Ansicht beim Klick auf ein Menü geöffnet wird, inklusive View-Typ (List, Form, Kanban), Standard-Filter und Kontext.

⚙️ ir.actions.server

Server Actions führen serverseitige Logik aus, zum Beispiel Felder setzen, Datensätze anlegen, E-Mails versenden oder andere Aktionen aufrufen. Sie können manuell gestartet oder von Automation Rules ausgelöst werden.

🤖 base.automation

Automation Rules (früher Automated Actions) reagieren auf Ereignisse wie Erstellen, Ändern oder Zeitbedingungen. Du definierst Bedingungen und legst fest, welche Server Action automatisch ausgeführt wird.

⏱️ ir.cron

Geplante Aktionen, die in Intervallen im Hintergrund laufen, zum Beispiel nächtliche Jobs, Synchronisationen oder periodische Aufräumarbeiten ohne Benutzerinteraktion.

👥 res.groups

Benutzergruppen und Rollen. Du ordnest hier Benutzern ihre Rolle zu und verknüpfst Gruppen mit Menüs, Access Rights und Record Rules, um Berechtigungen sauber zu strukturieren.

Der Haken dabei: Du musst dich wirklich mit der Struktur und Funktionalität von Odoo auseinandersetzen. Nur so kannst du die richtigen Einträge anlegen und bestehende Einträge richtig bearbeiten, sodass du ein sauberes, upgradefähiges Odoo hast. 

Wie genau du das machen kannst, zeige ich dir in den nächsten Blog-Beiträgen.

Wenn du Fragen hast, kontaktiere mich gerne oder schreibe einen Kommentar. 

Nate


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